Bevor es auf die Reise geht, hier ein paar wichtige Tipps zur ersten Hilfe.
Arbeitsteilung im Team bei Unfällen
Das Allerwichtigste bei Unfällen ist es, den Überblick zu behalten, sich gleichzeitig um den/die Verletzte-n zu kümmern und auch die anderen Mitglieder der Gruppe nicht aus den Augen zu verlieren. Wenn ihr mehrere Gruppenleiter-innen seid, solltest du für eine sinnvolle Arbeitsteilung sorgen. Eine-r kümmert sich um die Erstversorgung des-der Verletzten, die anderen Betreuer-innen beaufsichtigen die anderen Gruppenmitglieder.
In jedem Fall gilt: die Sicherheit der Gruppe und die Versorgung der/des Verletzten sollten gleichzeitig organisiert werden. Du solltest dich möglichst schnell darüber informieren, was genau passiert ist und dafür sorgen, dass eventuelle Gefahrenherde ausgeschaltet werden. Wenn nötig, solltest du dann umgehend den Notruf verständigen, dir von einem Gruppemitglied den Verbandskoffer bringen lassen und die Erstversorgung vornehmen.
Rettungskette
Den Ablauf der Rettungs- und Erste Hilfe-Maßnahmen nach einem Unfall kannst du wie eine Kette sehen, die aus vier Gliedern besteht:
Die einzelnen Maßnahmen greifen ineinander und dienen dem Ziel, einer/einem Betroffenen bereits am Unfallort die notwendige Hilfe zu leisten und sicherzustellen, dass sie/er schnellstmöglich in ärztliche Behandlung gelangt. Der/Die Ersthelfer-in wird im Bereich der ersten Minuten tätig.
Notruf
Die Telefonnummer für Notfälle ist 112
Wichtig zu wissen: Auch wenn deine Handykarte leer ist, kannst du kostenlos die 112 oder 110 anrufen! Auch im europäischen Ausland gilt diese Notrufnummer, damit erreichst du immer eine Rettungsleitstelle.
Die genaue Notfall/Unfallmeldung ist für die Rettungskräfte sehr wichtig, da sie sich anhand der Informationen genau auf den Notfall/Unfall vorbereiten können. In der Notfall/Unfallmeldung sollten knapp und präzise die folgenden fünf W beachtet werden:
Erste Hilfe bei kleineren Unfällen
Kleinere Schnitt-, Schürf- und Brandwunden wirst du bei vielen Gelegenheiten versorgen müssen. Falls es sich doch um eine Verletzung handelt, bei der du dir nicht sicher bist oder die sich ein-e Arzt/Ärztin anschauen sollte, verständige den Rettungsdienst oder suche eine-n Arzt/Ärztin in der Nähe auf!
Um eine Erstversorgung durchzuführen, haben wir hier eine Zusammenstellung der häufigsten kleineren Unfälle gemacht:
Wundversorgung
Der/Die Verletzte sollte am besten sitzen oder liegen. Kleinere Wunden können mit einem Pflaster versorgt werden, bei größeren Wunden legst du einen Verband an. Wichtig dabei sind die sterile Abdeckung und eine vernünftige Befestigung mit Verbandpäckchen oder Dreiecktuch. Beobachte dabei die/den Verletzte-n immer und achte auf Veränderungen.
Knochenbrüche und Gelenkverletzungen
Erkennen:
– Meist entstehen Schwellungen
– Eingeschränkte Beweglichkeit
– Unter Umständen sehr schmerzhaft
– evtl. abnorme Lage der Gliedmaße
Maßnahmen:
– Betroffenen möglichst wenig bewegen
– Offene Brüche sofort mit keimfreien Wundauflagen oder Verbandtuch bedecken
– Bruchbereich mit geeignetem weichem Polstermaterial ruhigstellen
– Stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit und vorhandener Atmung
– Notruf
– Verletzte/n zudecken
– Ausgerenkte Gelenke darf nur der Arzt/die Ärztin einrenken!
– Verletztes Gelenk ruhigstellen und nicht mehr belasten
– Schwellung mit kalten Umschlägen kühlen
Nasenbluten
Wenn die Blutung sehr stark ist, solltest du versuchen, die Blutung zu stoppen, denn ein großer Blutverlust kann ernste gesundheitliche Folgen haben.
Maßnahmen:
– der/die Verletzte sollte den Kopf leicht vornüberbeugen
– er/sie sollte die Stirn in die Hände stützen
– einen kalten Umschlag in den Nacken und auf die Stirn der/des Betroffenen legen
– sollte die Blutung sehr stark sein oder nicht zum Stillstand kommen, den Rettungsdienst verständigen
Vergiftung
Erkennen:
– Übelkeit
– Erbrechen
– Schweißausbrüche
– Krämpfe
– Eventuell Bewusstlosigkeit oder Herz-Kreislauf-Stillstand
Maßnahmen:
Alle vom/von der Ersthelfer-in durchführbaren Maßnahmen entsprechen den grundsätzlichen Maßnahmen, wie sie in den anderen Verletzungs- und Erkrankungszuständen schon beschrieben worden sind. Zusätzlich ist der Eigenschutz zu beachten (Gase, Kontaktgifte u.Ä.)
– Giftreste und/oder Erbrochenes sicherstellen und dem Rettungsdienst mitgeben
– Frage bei Kindern geduldig nach, was geschehen ist!
– Vorbeugung: Giftstoffe, Chemikalien, Medikamente und Pflanzenschutzmittel nie in Getränkeflaschen umfüllen! Kinder von giftigen Pflanzen fernhalten.
Vergiftungs-Informationszentrale
Zentrale Beratungsstelle Berlin 030 – 19 240 (insbesondere für Kindernotfälle)
Bei akuten Notfällen immer zuerst den örtlichen Rettungsdienst verständigen – Notruf!
Sonnenstich
Längere Sonneneinstrahlung auf einen unbedeckten Kopf kann zu einer Reizung der Hirnhaut und damit zum Sonnenstich führen. Vor allem Kinder sind gefährdet. Sorge dafür, dass deine Teilnehmer/-innen bei längerem Aufenthalt in der Sonne immer eine Kopfbedeckung tragen.
Erkennen:
– hochroter, heißer Kopf
– Körperhaut fühlt sich kühl an
– Unruhe
– Kopfschmerzen
– Übelkeit
– Erbrechen
– ggf. Nackensteifigkeit
– schwindendes Bewusstsein
Es besteht die Gefahr der Bewusstlosigkeit.
Maßnahmen:
– der/die Betroffene sollte sofort an einen kühlen Ort bzw. in den Schatten gebracht werden
– der Oberkörper sollte erhöht gelagert und der Kopf mit nassen Tüchern gekühlt werden
– Bewusstsein und Atmung regelmäßig kontrollieren
Bewusstlosigkeit
Erkennen:
– Person ist nicht ansprechbar
– Die Muskulatur ist meist erschlafft
Maßnahmen:
– Person ansprechen/anfassen. Reagiert er/sie darauf nicht, ist er/sie bewusstlos.
– Sofort Notruf/Rettungsdienst alarmieren
– Atemkontrolle durchführen
Schock
Erkennen:
– schneller und immer schwächer werdender Puls. Im Schock liegt die Pulsfrequenz meist über 100 pro Minute.
– Die Haut ist blass, kalt, schweißnass
– der/die Betroffene friert, ist unruhig, nervös und hat Angst. Später kann er/sie bewusstlos werden.
Maßnahmen:
– Notruf/Rettungsdienst alarmieren
– Zuwendung und ständige Betreuung
– mögliche Ursachen des Schocks beseitigen, z. B. größere Blutungen stillen, eine eventuelle Medikamentenzufuhr unterbrechen (etwa bei einer allergischen Reaktion auf Medikamente) oder die Brandwunden eines Verletzten mit Wasser kühlen.
– den/die Betroffene-n sofort der Witterung entsprechend warm zudecken. Ideal ist die Rettungsdecke aus dem Verbandkasten (Silberseite innen, Goldseite außen).
– den/die Betroffene-n flach mit erhöhten Beinen lagern (ca. 20 bis 30 Zentimeter hoch).
Epileptischer Anfall
Erkennen:
– plötzliches Hinfallen
– zuckende Bewegungen
– Bewusstlosigkeit
– Atemstillstand während des Anfalls
Maßnahmen:
– Krampfanfall ablaufen lassen und darauf achten, dass sich die/der Betroffene nicht zusätzlich verletzt
– nach dem Anfall (das Ende erkennt man durch das Wiedereinsetzen der Atmung, wenn der/die Epileptiker/-in erwacht): bequeme Lagerung
– evtl. in der Umgebung stehende Gegenstände wegräumen
– nach Ende des Anfalls Schlafphase möglich
Insektenstich im Mund-Rachen-Raum
Insektenstiche im Mund-Rachen-Raum können lebensbedrohlich sein. Durch das Insektengift kommt es im Mund- Rachen-Raum zur Anschwellung der Schleimhäute oder zur Anschwellung der Zunge. Die Atemwege werden eingeengt. Der Betroffene kann ersticken.
Maßnahmen:
– Notruf / Rettungsdienst alarmieren.
– Lebensrettende Hilfe kann das Kühlen mit Eis bringen (Speiseeis oder Eiswürfel lutschen lassen; den Hals mit einem Eisbeutel oder kalten Umschlägen von außen kühlen.
– Sollte ein Atemstillstand eintreten, bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes Beatmung versuchen.
Version 3.3.19