Die folgenden Lektionen beschäftigt sich mit allem, was mit der Leitung von Gruppen im engeren Sinne zu tun hat.
Dazu gehört:
Gruppenpädagogik
Eine Gruppe zeichnet sich durch ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl und/oder ein gemeinsames Ziel aus.
Für die Gruppen innerhalb des Bereiches der Jugendarbeit ist besonders wichtig, dass sie ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl besitzen. Einzelne Jugendliche schließen sich nicht zuletzt deshalb einer Jugendgruppe an, um bei dieser bestimmten Gruppe dazuzugehören. Zusammengehörigkeitsgefühl meint hier so etwas wie ein »Wir-Gefühl«. Das beinhaltet sowohl eine Vorstellung davon, »wer alles zur Gruppe gehört«, als auch eine gewisse Abgrenzung gegenüber anderen Personen oder Gruppen.
Der Weg vom „losen Haufen“ zur Gruppe
Das, was eine Gruppe ausmacht, muss sich mit der Zeit erst entwickeln. Eine Anzahl von Menschen benötigt, um zu einer arbeitsfähigen Gruppe zu werden, gemeinsam geteilte Anliegen und Ziele sowie die Einsicht, diese gemeinsam besser erreichen zu können als allein. Eine Gruppe entsteht im engsten Sinne nur, wenn die einzelnen Mitglieder sich in gewissem Umfang gegenseitig brauchen und brauchen wollen, um ihre Ziele zu erreichen. Zudem muss jede Gruppe für ihr soziales »Innenleben« Normen und Werte, d.h. Richtlinien, wie man miteinander umgehen soll und will, für ihre Zusammenarbeit und ihr Zusammenleben finden. Sie wird mit unterschiedlichem Status und unterschiedlichen Rollen bewusst umgehen müssen, da weder eine Gleichmacherei noch eine zementierte Hackordnung die Gruppe weiterbringt. Mut und Angst, Sympathie und Hass sind neben den eben genannten Aspekten weitere Elemente, die das Geschehen in der Gruppe bestimmen. Die Wissenschaft hat sich verschiedene Gruppen angeschaut und versucht, modellhaft zu beschreiben, wie sich Gruppen allgemein entwickeln. Das Ganze nennt sich dann »Gruppenphasen-Modell«. Nach diesem Modell durchleben Gruppen 4 verschiedene Phasen.
1. Orientierungsphase
Was passiert in der Gruppe?
Es leuchtet ein, dass, wenn sich Personen zum ersten Mal sehen, das Klima innerhalb der Gruppe bestimmt ist von Unsicherheit und manchmal sogar Misstrauen. In einer ungewohnten Umgebung zusammen mit mir unbekannten Leuten habe ich erst einmal Ängste. Zum Beispiel die Angst, nicht von allen innerhalb der Gruppe akzeptiert zu werden, aber auch die Angst, dass vielleicht die Stimmung in der Gruppe nicht gut wird, weil sich die Gruppenmitglieder schlecht verstehen könnten.
Deine Aufgabe als Jugendleiter*in
In erster Linie musst du allen Gruppenmitgliedern das Gefühl geben, dass sie von dir akzeptiert und willkommen sind. Du musst durch das Programm die Möglichkeit bieten, sich gegenseitig kennen zu lernen. Besonders wichtig ist, dass du die Gruppe genau beobachtest und schaust, ob Kleingruppen oder Außenseiter-innen entstehen. Damit du mögliche Konflikte lösen oder ausräumen kannst, musst du wissen, wer in der Gruppe mit wem kann oder eben nicht kann.
2. Gärung und Klärung
Was passiert in der Gruppe?
Nachdem die Gruppenmitglieder sich ein wenig kennen und besser einschätzen können, entstehen oft Grüppchen von Personen, die sich besonders gut verstehen. Es kann dazu kommen, dass zwischen einzelnen Gruppenmitgliedern oder Grüppchen Rivalitäten auftreten, die das Gruppenklima verschlechtern können. Es herrscht ein Kampf um die Führung innerhalb der Gruppe. Dabei kann auch der/die Jugendleiter-in in Frage gestellt oder kritisiert werden. Nicht zuletzt werden zu diesem Zeitpunkt auch die Grenzen ausgetestet.
Deine Aufgabe als Jugendleiter*in
In erster Linie gilt es in dieser Phase, die eher negative Seite erst einmal auszuhalten. Es ist normal, dass es nun in der Gruppe etwas stürmischer wird. Der/Die Jugendleiter-in hat dabei die Funktion eines Blitzableiters. Besonders wichtig ist es, dass sie/er einen Rahmen schafft, damit die Konflikte innerhalb der Gruppe konstruktiv ausgetragen werden können. Hierfür müssen klare Spielregeln aufgestellt werden. Auf keinen Fall sollte er/sie die Gruppe mit der Konfliktlösung allein lassen. In dieser Gruppenphase ist sie nicht dazu in der Lage, dies selbst zu bewältigen.
3. Aktivität
Was passiert in der Gruppe?
Das Verhältnis der Gruppenmitglieder untereinander wird immer besser. Die Rollen in der Gruppe sind verteilt und die Verhaltensregeln geklärt. Man akzeptiert sich in der Gruppe und die Gruppe verträgt aufkommende Konflikte besser. Die Gruppe beginnt zu erkennen, wodurch sie sich von anderen unterscheidet. Alle haben innerhalb der Gruppe eine Beziehung miteinander aufgebaut. In dieser Phase ist die Gruppe am produktivsten, da sie gefestigt ist und sich nicht mehr mit sich selbst beschäftigen muss.
Deine Aufgabe als Jugendleiter*in
Du aktivierst die Gruppe und unterstützt das Gemeinschaftsgefühl. Aufgaben werden teilweise an die Teilnehmer-innen abgegeben, ihnen wird Verantwortung übertragen.
4. Trennungsphase oder Krise
Was passiert in der Gruppe?
Kernaussage: »Schade, dass es nicht immer so weitergeht!« – Die meisten Gruppen erleben irgendwann eine Existenzkrise. Dann werden Ziele, Gruppenstrukturen oder die Mitgliedschaft einzelner Teilnehmer-innen in Frage gestellt, indirekte Ausdrucksformen wie Wegbleiben, Störungen der Gruppenstunde oder auch direkter Protest dagegen, dass es so läuft, wie es läuft, führen zu Grundsatzdiskussionen über Sinn und Unsinn der Gruppenarbeit. Sie münden entweder in der Auflösung der Gruppe, oder aber es gelingt, mit einer Phase der (Neu-) Orientierung neue Strukturen und Ziele zu finden.
Jede Gruppe gelangt aber auch einmal an den Punkt, wo entweder die zur Verfügung stehende Zeit langsam abläuft (z.B. bei einer Freizeit oder einem Seminar) oder aber wo das Projekt, zu dem sich die Gruppenmitglieder zusammengefunden haben, beendet wird. Diese Phase ist durch ein »lachendes« und ein »weinendes« Auge gekennzeichnet. Zum einen ist man total happy über das, was man gemeinsam an Schönem erlebt und geschafft hat. Fast überschwänglich ist somit die Stimmung in der Gruppe. Der bevorstehende Abschied drückt andererseits auf die Stimmung. Es mag aber auch Gruppenmitglieder geben, die allein wegen des Themas der Gruppe dabei sind und nach Abschluss des Themas schon mit der Gruppe abgeschlossen haben und sich von der Gruppe weg orientieren.
Deine Aufgabe als Jugendleiter*in
Für dich kommt nun die schwierige Aufgabe, diese Emotionen aufzufangen und einen schönen gemeinsamen Abschluss für die gesamte Gruppe zu schaffen. Du musst genau schauen, wie sich die einzelnen Gruppenmitglieder verhalten, um individuell auf sie eingehen zu können. Der »Abschied voneinander« sollte aber auf jeden Fall zum Thema gemacht werden.
Dieses Gruppenphasenmodell soll dir dabei helfen, deine Gruppe zu leiten. Natürlich ist jede Gruppe verschieden; so verschieden wie die Menschen aus denen sie besteht. Jedoch werden diese Phasen mehr oder weniger intensiv durchlebt.
DEEP DIVE: WIE ENTSTEHT EINE GRUPPE
https://www.youtube.com/watch?v=LQCEtbBS2j0
Version 3.3.19