In diesem Abschnitt geht es speziell um deine Rolle und Aufgabe als Leiter*in einer kinder- und Jugendgruppe. Es soll gezeigt werden, worauf du als Jugendleiter*in im Umgang mit deiner Gruppe achten musst. Grundsätzlich muss man sagen, dass es kein Patentrezept dafür gibt, wie man eine Gruppe leiten sollte. Das hat zum einen mit der Vielzahl von verschiedenen Gruppen zu tun, die es gibt. Jede Gruppe ist irgendwie anders, hat somit andere Erwartungen an ihre Leitung oder benötigt eine ganz bestimmte Art der Leitung. Zum anderen hängt es ganz stark von der Persönlichkeit der Jugendleiter-innen ab. Jede-r Jugendleiter-in hat oder entwickelt einen für sie/ihn typischen Leitungsstil. Dabei ist wichtig, sich immer wieder zu fragen, wie gehe ich mit meiner Gruppe um, was erwartet die Gruppe von mir und wie reagiert sie auf mich? Wenn du diese Fragen beantwortest und überprüfst, ob deine Art der Leitung bei deiner Jugendgruppe ankommt, oder du herausfindest, was du ändern musst, dann bist du auf dem richtigen Weg. Bevor ein paar klassische Führungsstile dargestellt werden, befassen wir uns erst noch einmal mit der Aufgabe der Gruppenleitung.
Aufgaben der Gruppenleitung
Als Gruppenleiter*in bist du ganz allgemein gesprochen für deine Gruppe verantwortlich. Neben den wichtigen rechtlichen Aspekten, die an anderer Stelle erläutert werden, bist du auch für die Programmgestaltung verantwortlich. Als drittes gehört der pädagogische Bereich dazu. Jugendarbeit ist für die/den Einzelnen und die gesamte Gruppe nicht nur fröhlicher Zeitvertreib. Jugendarbeit ist vielmehr eine Art Spielwiese, wo die/der Einzelne ihre/seine Erfahrungen in den vielfältigsten Bereichen machen und eigene Kompetenzen erweitern sollte. Die Erfahrungen, die ein Gruppenmitglied deiner Jugendgruppe macht, nimmt sie/er mit und sie prägen ihre/seine Persönlichkeit.
In folgenden Bereichen könnten diese Erfahrungen gemacht werden:
Hinzu können noch eine Reihe ganz konkreter Bereiche oder Ziele kommen, die für deine spezielle Jugendgruppe typisch und besonders wichtig sind, wie z.B. Religiosität oder sportliche Fähigkeiten. Das Zusammenleben in der Gruppe ist sozusagen eine Art Trainingslager für all diese Dinge und jede Aktion, welche die Gruppe unternimmt, beinhaltet eine ganze Reihe von Lernchancen und Lernprozessen für die einzelnen Gruppenmitglieder. Als Jugendleiter-in hast du die Aufgabe und die Möglichkeit, durch die Art und Weise, wie du mit deinen Gruppenmitgliedern umgehst, und durch inhaltliche Schwerpunktsetzungen, den Jugendlichen etwas mit auf den Weg zu geben. Daher ist es besonders wichtig, dass du dir über folgende Fragen immer wieder Gedanken machst:
Klassische Führungsstile und ihre Wirkung auf Gruppen
Ein Führungsstil ist gekennzeichnet von der persönlichen Einstellung der Leiter-innen gegenüber ihrer Gruppe. Es handelt sich also um ein wiederkehrendes Muster im Umgang mit den Gruppenmitgliedern. Ganz klassisch unterscheidet man zwischen drei verschiedenen Führungsstilen:
Autoritärer Führungsstil
Was macht den Führungsstil aus?
Autoritäre Gruppenleiter-in erwarten von ihrer Gruppe, dass sie genau das tut, was sie sagen. Für sie ist eine klare Hierarchie vorhanden. Anweisungen sind ohne Begründung zu befolgen. In der autoritär geführten Gruppe bestimmt die Leitung den Ablauf des Programms und setzt ihre Vorstellungen durch. So eine Führungsperson fühlt sich für alles verantwortlich und kümmert sich auch um Dinge, die von anderen genauso gut erledigt werden könnten. Kritik wird als persönlicher Angriff angesehen und nicht akzeptiert.
Wie reagiert die Gruppe darauf?
Ist die/der Gruppenleiter-in sehr autoritär, so kann es vorkommen, dass die Gruppe sich vor ihrer/ihrem Leiter-in duckt und auch Unrecht in Kauf nimmt, nur weil es ihnen angeordnet worden ist. Die Gruppe verliert ihre Selbstständigkeit und ist bei Abwesenheit ihrer/ihres Leiter-in/s nicht leistungsfähig, da niemand eine Entscheidung treffen möchte. Ein autoritärer Führungsstil provoziert naturgemäß ein gewisses Aufbegehren, was dazu führen kann, dass sich einzelne Personen von der Gruppe trennen. Der/die Gruppenleiter-in einer solchen Gruppe wird respektiert (zumindest solange er anwesend ist), jedoch ist die Beziehung zwischen ihr/ihm und der Gruppe nicht besonders herzlich und sie/er ist nicht unbedingt sehr beliebt.
Demokratischer/partnerschaftlicher Führungsstil
Was macht diesen Führungsstil aus?
Wie du dir leicht denken kannst, spielen bei diesem Führungsstil demokratische Prinzipien und eine gute Partnerschaft zwischen der Gruppe und der Gruppenleitung eine entscheidende Rolle. Eine partnerschaftliche Gruppenleitung sieht sich auf der gleichen Stufe wie ihre Gruppe. Sie hat aufgrund ihrer Position nicht mehr Rechte und nicht mehr zu sagen. Vielmehr wird sie alle in der Gruppe mit einbeziehen und demokratische Entscheidung herbeiführen. Von ihr geht nicht immer allein die Initiative aus, sondern sie ermutigt, Ideen einzubringen und aktiv zu werden.
Wie reagiert die Gruppe darauf?
Die Tatsache, dass die Gruppe ihre eigenen Entscheidungen trifft und abstimmt, bewirkt, dass sie zufrieden und selbstständig wird. Alle Gruppenmitglieder sind und fühlen sich für das, was die Gruppe tut, verantwortlich. Dadurch ist eine so geführte Gruppe leistungsfähig und tritt sehr selbstbewusst gegenüber anderen auf. Innerhalb der Gruppe ist es für niemanden ein Problem, die eigene Meinung zu sagen oder kritisiert zu werden. Niemand fühlt sich durch kritische Meinungsäußerungen persönlich verletzt. Obwohl die Gruppenleitung scheinbar wenig leitet, ist sie dennoch angesehen und ihr Wort oder ihre Meinung wiegt schwer. Die Gruppe respektiert ihren Gruppenleiter-in und nicht selten wird er/sie in gewisser Weise verehrt.
Laissez-faire Stil
Was macht diesen Führungsstil aus?
»Lass es nur laufen« – so könnte man die französische Bezeichnung dieses Führungsstils ins Deutsche übersetzen. Die Leitung lässt die Gruppe einfach gewähren. Sie greift kaum in das Gruppengeschehen ein und lässt die Gruppe völlig allein entscheiden, ohne ihre Hilfe anzubieten. Sie bringt sich selbst kaum in die Gruppe ein. Diese Gruppenleitung zeigt wenig Interesse an den Geschehnissen in der Gruppe und fühlt sich kaum verantwortlich. So bleibt die Gruppe sich selbst überlassen. Oft tut die Gruppenleitung dies in der Überzeugung, dass dieser Freiraum, den sie der Gruppe schenkt, ein optimales Lern- und Erfahrungsfeld bietet und so die Gruppe Selbstständigkeit lernt.
Wie reagiert die Gruppe darauf?
Gegenüber der Gruppenleitung verhält sich die Gruppe ähnlich gleichgültig, wie die Gruppenleitung der Gruppe gegenüber. Es entsteht keine besonders intensive Beziehung zwischen beiden. In Sachen Selbstbewusstsein ist es innerhalb einer solchen Gruppe auch nicht weit her. Da niemand eine Richtung vorgibt, macht jede-r, was sie/er will. Die Gruppe insgesamt ist verunsichert.
Abschließende Bewertung
Der partnerschaftliche Leitungsstil ist zwar der schwierigste und kostet die meisten Nerven, er ist aber der einzig mögliche, um den Mitgliedern einer Gruppe zur Entfaltung ihrer Fähigkeiten, ihrer Initiativen und ihrer Aktivitäten zu verhelfen. Neben den dargestellten Führungsstilen gibt es bei jeder Gruppenleitung noch andere typische Merkmale, die den ganz speziellen persönlichen Stil ausmachen. Dieser hat mit dem Charakter und der Persönlichkeit der Gruppenleiterin oder des Gruppenleiters zu tun. Wie sie/er denkt, fühlt und handelt, prägt diesen Stil.
DEEP DIVE FÜHRUNGSSTIL
Version 3.3.19