Um der Gruppe gerecht zu werden, musst du aber auch jedes einzelne Gruppenmitglied im Blick haben und in deine Überlegungen und Planungen einbeziehen. Dazu gehört es, dass du dich mit den Entwicklungsstufen und mit den Lebenslagen junger Menschen auseinandersetzt.
Entwicklung von jungen Menschen
Jeder von uns entwickelt sich ständig weiter, lernt neue Dinge und verändert sich. Besonders stark ist diese Entwicklung natürlich in der Kinder- und Jugendphase. Dies betrifft sowohl die körperliche als auch die geistige Entwicklung. Deine Arbeit als Jugendleiter-in sollte dabei der jeweiligen Entwicklung der Teilnehmer-innen angemessen sein.
Altersstufen
Zwar durchlebt jeder Mensch eine individuelle Entwicklung, dennoch sollten bestimmte Fähigkeiten in einer bestimmten Altersstufe erreicht sein. Deshalb haben wir einige Altersstufen gebildet, die wir kurz vorstellen möchten, und dir dazu auch Tipps geben, wie du dich jeweils verhalten solltest.
3- bis 6-Jährige
Entwicklungsstand:
Die Kinder sind stark auf sich selbst bezogen: Sie können die Wirklichkeit nur aus dem eigenen Erleben heraus beurteilen. Deshalb wollen sie viel entdecken und lernen, sie sind sehr lebendig und impulsiv.
Worauf du achten solltest:
Fördere insbesondere Kreativität, die Neugier sowie das Koordinations- und Konzentrationsvermögen und gib viele Bewegungsmöglichkeiten. Gib genaue Spielanleitungen und unterscheide deutlich zwischen Recht und Unrecht.
6- bis 8-Jährige
Entwicklungsstand:
Die Gruppenmitglieder haben individuelle Interessen und versuchen, ihre Meinung durchzusetzen. Ihre Konzentrationsfähigkeit ist nun bereits deutlich besser.
Worauf du achten solltest:
Stille den Abenteuer- und Wissensdurst und biete ihnen die Möglichkeit, sich untereinander im fairen Wettkampf zu messen. Biete ihnen außerdem die Möglichkeit, sich kreativ zu betätigen. Dabei ist die Einhaltung von klaren Regeln notwendig.
8- bis 12-Jährige
Entwicklungsstand:
Die Kinder sind nun nicht mehr so stark auf sich selbst bezogen und haben ein starkes Interesse daran, Neues kennenzulernen. Sie sind nun in der Lage, über den eigenen Erfahrungsraum hinaus zu denken. Außerdem können sie nun historisch denken. Das Verlieren im Spiel bedeutet für sie auch einen Prestigeverlust, da sich Rangordnungen in der Gruppe bilden. Die Gruppe identifiziert sich über gemeinsame Positionierungen, ein Abweichen davon wird kaum akzeptiert.
Worauf du achten solltest:
Teamspiele und Erfolgserlebnisse sind nun besonders wichtig. Da sich das starre Recht/Unrecht-Denken nun auflöst, muss an Regeln nicht mehr ganz so stur festgehalten werden. Deine Rolle als Jugendleiter-in wandelt sich etwas vom Schiedsrichter zur/zum Berater-in.
12- bis 15-Jährige
Entwicklungsstand:
Die beginnende Pubertät führt zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit sich selbst und auch das Interesse am anderen Geschlecht nimmt zu. Ebenso wird das Streben nach Selbstständigkeit stärker und persönliche Anerkennung wird wichtiger. Daher kommt es vermehrt zu Machtkämpfen. Es findet eine Abgrenzung von »den Kindern« statt.
Worauf du achten solltest:
Ermögliche den Jugendlichen, eigene Projekte in der Jugendgruppe auszuprobieren, berate sie dabei und biete Möglichkeiten zur Selbstentwicklung.
Über 15-Jährige
Entwicklungsstand:
Die Pubertät geht zu Ende, die Rollen und der Gruppenstatus festigen sich. Die Bedeutung der Familie geht weiter zurück, dafür werden Freund-inn e-n wichtiger. Die Lebensplanung gewinnt mehr und mehr an Bedeutung.
Worauf du achten solltest:
Unterstütze die Jugendlichen bei ihrer Lebensplanung, stärke ihre Selbstständigkeit und biete ihnen viele Möglichkeiten, eigene Projekte und Vorstellungen zu realisieren. Fördere den Zusammenhalt der Gruppe. Außerdem ist es jetzt langsam soweit: Aus Gruppenmitgliedern können nun selbst Jugendleiter-innen werden. Übertrage ihnen dazu Verantwortung, ohne sie zu überfordern, und stehe helfend zur Seite. Mach ihnen Lust, sich zu engagieren.
Körperliche und geistige Entwicklung
Vom Säugling zum erwachsenen Menschen – die körperliche Entwicklung ist ein Prozess, der nach einem mehr oder weniger festen Plan bei allen Menschen ähnlich stattfindet, allerdings sind die zeitlichen Abläufe von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
In den ersten Lebensjahren ist die Entwicklung des Körperbaus von Mädchen und Jungen noch ziemlich gleich. Mit dem Beginn der Pubertät kommt es dann zu deutlichen Veränderungen im Körperbau und der stärkeren Ausprägung der geschlechtsspezifischen Körperteile. Dies beginnt mit dem Wachsen der Schambehaarung und führt bei der Frau über das
Wachstum der Scheide und der Gebärmutter, dem Entwickeln der Brust und der ersten Monatsblutung bis hin zur vollen Zeugungsfähigkeit. Bei Männern ist dieser Prozess mit dem Beginn des Bartwachstums, dem Wachstum von Hoden und Penis, dem Stimmbruch sowie der ersten nächtlichen Samenergüsse verbunden.
Sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen ist dieser Prozess mit Unsicherheiten und dem Wunsch nach mehr Intimsphäre verbunden. Die Jugendlichen beginnen, sich stärker mit ihrem eigenen Körper auseinander zu setzen, probieren verschiedene (Kleidungs-)Stile aus und suchen eine Erscheinungsform, die zu ihrer Persönlichkeit passt.
Dieser Prozess geht mit einer zunehmenden Ablösung von der Familie einher. Ansprechpartner-innen und Bezugspersonen außerhalb der Familie gewinnen ebenso an Bedeutung wie der eigene Freundeskreis und andere Gleichaltrige. Auch dir als Jugendleiter-in kann eine besondere Rolle zukommen. Insbesondere dann, wenn es ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen dir und den Gruppenmitgliedern gibt, sehen einige Gruppenmitglieder in dir eine-n Berater-in, an die/den sie sich mit ihren Fragen wenden können. Überlege dir im Einzelfall gut, ob und inwieweit du diesem Wunsch nachkommen willst und selber über das notwendige Wissen verfügst. Im Zweifelsfall verweise lieber an entsprechende Beratungsstellen – außerdem solltest du die Informationen zum Sexualstrafrecht berücksichtigen.
Lebenslagen junger Menschen
Neben diesen Entwicklungsprozessen spielen auch die persönlichen Lebenslagen eine Rolle und sollten von dir in der Gruppenleitung beachtet werden. Zu diesen Lebenslagen gehört beispielsweise das Geschlecht, die Familiensituation (Geschwister, Einzelkind, nur ein Elternteil,…), die finanziellen Möglichkeiten der Familie, ein Migrationshintergrund, Behinderungen, das Bildungsniveau und vieles andere mehr. Diese Faktoren haben einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Persönlichkeit, bieten Chancen und machen eine besondere Förderung einzelner Gruppenmitglieder notwendig.
Die Verschiedenheit der Gruppe ist eine Stärke und kein Problem. Denn sie bietet der Gruppe ein breites Lernfeld, beispielsweise im Bereich der Toleranz und der Solidarität.
DEEP DIVE Entwicklung von jungen Menschen
Version 3.3.19